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Tipps, wie man sich nach der Weisheitszahn-OP richtig verhält

Sie sind gefürchtet, jeder hofft, sie gar nicht zu bekommen – oder sie behalten zu dürfen: die Weisheitszähne. Auf Instagram erzählen Promis ihre Weisheitszahn-Geschichten, Freunde berichten von tagelangen höllischen Schmerzen und dicken Backen. Bei vielen heilen die Wunden aber deutlich schneller – das richtige Verhalten nach dem Eingriff hilft dabei.


Richtiges Kühlen hilft bei der Wundheilung

Schmerzen und Schwellungen sind nach der Entfernung der Weisheitszähne normal. Das Kühlen mit Eispacks hilft, diese abzumildern. Nach der Weisheitszahn-OP, noch auf dem Heimweg, sollten die betroffenen Stellen gekühlt werden. So werden Schmerzen und auch die Gefahr von „Hamsterbacken“ in den kommenden Tagen verringert. Aber auf keinen Fall sollte Eis oder ein Kühlpack die Haut direkt berühren. Es drohen Erfrierungen. Besser: Nassfeuchte Waschlappen verwenden oder die Kühlpacks in Stoff einwickeln.

„Je nach Schwellung werden Waschlappen und Kühlpacks mehrere Tage lang – auch nachts – ständiger Begleiter sein“, meint Dr. med. dent. Dr. Bernhard Saneke, Zahnarzt und medizinischer Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums Dentalplus in Wiesbaden „Wer die Hände frei haben möchte, kann ein Kühlpack zum Beispiel mit einem dünnen Schal am Gesicht befestigen: Man bindet den Schal über dem Kopf zusammen und schiebt den Kühlpack dann an die Wange.“


Nachblutungen stoppen

Nach der OP oder auch noch später kann die Wunde noch etwas nachbluten. Das Bluten kann gestoppt werden, indem man für etwa eine halbe Stunde auf eine saubere Kompresse oder ein zusammengefaltetes Leinentuch (z.B. Herrentaschentuch) beißt. Dabei den Kopf hochlagern. Sollte die Wunde aber auch noch Stunden nicht aufhören zu bluten sollte der Arzt erneut aufgesucht werden.

Nachblutungen kann man vermeiden, indem man in den ersten Tagen nach dem Eingriff auf sportliche Aktivitäten und anstrengende Arbeiten im Garten oder Haushalt verzichtet. Auch koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Schwarztee und Energy-Drinks lieber vom Speiseplan streichen.
„Beim Entfernen des Weisheitszahns im Oberkiefer entsteht mitunter eine Verbindung zur Kiefernhöhle. Damit diese heilen kann muss 2 Wochen lang heftiges Schnäuzen oder Niesen vermieden werden. Durch den dabei entstehenden Druck würde verhindert werden, dass sich diese Verbindung wieder verschließt. Wenn die Nase verstopft ist sollte daher Nasenspray verwendet werden, um den Schleim zu lösen, rät Dr. Saneke.


Essen und Trinken nach der Weisheitszahn-Entfernung

Natürlich soll trotz der Wunde im Mundraum nicht auf Essen und Trinken verzichtet werden. Solange die Betäubung noch wirkt, sollte man aber mit dem Essen noch abwarten: Denn sind Lippe und Zahnfleisch taub, kann man sich selber leicht verletzen, indem man auf seine eigene Wange oder Lippe beißt ohne es zu spüren. Um die Wunde zu schonen, sollte in den ersten Tagen eher weiche oder pürierte Nahrung wie Gemüse, Kartoffelbrei und ähnliches gegessen werden. Das verhindert größere Anstrengung der Kaumuskulatur, die schmerzhaft ist und auch zu Nachblutungen führen kann.

„Viele Patienten essen schon einen Tag nach dem Eingriff weiche Brötchen mit Aufstrichen, Reis, Nudeln oder Gemüse. Eis schmeckt nicht nur gut, sondern kühlt den Mundraum zusätzlich. Auch das Lutschen von kleinen Eiswürfeln ist eine gute Idee. Die Annahme, man dürfe keine Milchprodukte essen, hält sich wacker – ist jedoch nur bedingt richtig und gilt wirklich nur für die ersten Stunden nach dem Eingriff“, beruhigt Dr. Saneke.

Trinken sollte man am besten klare Flüssigkeiten wie kalte Kräuter- oder Früchtetees, Wasser oder Saftschorlen. Koffeinhaltiges wie Kaffee, schwarzer und grüner Tee sowie Alkohol sollte in den ersten Tagen gestrichen werden. Dass Rauchen für die Wundheilung nicht gut ist versteht sich von selber. Insbesondere bei Weisheitszahnentfernungen im Oberkiefer mit Eröffnung der Kieferhöhle sollte man das Rauchen tatsächlich zwei Wochen unterlassen. Dann kann man es auch für die Zukunft gleich ganz aufhören.

„Da das Öffnen des Mundes schwer fällt, wird man dazu verführt, einen Strohhalm beim Trinken zu benutzen. Aber das durch das Saugen erzeugte Vakuum kann die Wunde zum Bluten bringen. Also besser mit kleinen Schlucken vorsichtig trinken“, empfiehlt Dr. Saneke.


Hochgestapelt und griffbereit

Nach dem Eingriff sind erst mal Ruhe und Erholung angesagt. Egal ob man es sich auf dem Sofa oder im Bett gemütlich macht, ein paar hochgestapelte Kissen halten Kopf und Oberkörper aufrecht. So kann die Schwellung besser abklingen. Auf viel Rumlaufen und sportliche Aktivität sollte man erst mal verzichten. Am besten, man legt sich alles „Wichtige“ wie Verbandsmull, Schmerzmittel, Trinken, Handy, Fernbedienung und Buch in seine Nähe und verzieht sich aufs Sofa oder ins Bett. Da viel Sprechen die Durchblutung der Wunde fördert, wegen der Schwellung sich der Mund aber auch nur unter Schmerzen öffnen lässt, fallen lange Unterhaltungen erst mal aus.


Schmerzmittel so viel wie nötig

Nach einer Weisheitszahn-OP hat man mitunter Schmerzen, die von jedem anders empfunden werden. Es hilft nicht, wenn man versucht, diese einfach zu ertragen, da dies sich eher negativ auf die Heilung auswirkt und den Körper schwächt. Der Schmerz wird erst spürbar, wenn die Betäubung nachlässt. Daher am besten schon vorher die erste Schmerztablette einnehmen und direkt nachlegen, sobald die Wirkung nachlässt. Spätestens ab dem dritten Tag sollte man jedoch mit immer weniger Schmerzmittel auskommen, wenn überhaupt.
„Ibuprofen 400 hilft sehr gut, die Schmerzen zu kontrollieren, und durch die leicht entzündungshemmende Wirkung heilt die Wunde gut. Auf Aspirin oder ASS sollte aber verzichtet werden, da diese Mittel blutverdünnend sind und somit die Gerinnung hemmen“, empfiehlt Dr. Saneke.


Zähneputzen nach der Zahn-OP

Rund um die Operationswunde bzw. -naht sollte vom ersten Tag an mit einer weichen Zahnbürste normal geputzt werden. Die Wunde dabei nicht berühren. Stattdessen milde Mundspülungen, zum
Beispiel Meridol, verwenden oder verdünnte Kamillenlösung. Aber nicht übertreiben, sonst wird die Heilung verzögert.

„Weißliche Beläge auf der Wunde sind üblich. Es handelt sich dabei nicht um Eiter sondern natürliche Wundbeläge“, erklärt Dr. Saneke. „Durch das Eiweiß-Fibrin gerinnt das Blut und bildet eine weiße Schicht, die die Wunde verschließt. Daher die Beläge bitte nicht entfernen.“


Was es zu beachten gilt

Normalerweise verläuft die Wundheilung im Mund gut. Es treten nur selten Komplikationen auf. Der Speichel enthält spezielle Enzyme wie Lysozym, die antibakteriell wirken.
Nehmen die Schmerzen jedoch zu, oder die Schwellung verstärkt sich selbst nach 48 Stunden noch und zieht Richtung Hals oder Schläfe dann sollte unbedingt der Arzt erneut aufgesucht werden, insbesondere auch wenn Fieber eintritt.

Mitunter kommt es bei der Entfernung von Weisheitszähnen zu einer gestörten Wundheilung. Das leere Fach (Alveole), in dem vorher die Zahnwurzel war, muss sich mit Regenerationsgewebe auffüllen. Dieser Prozess geht direkt vom darunter liegenden Kieferknochen aus. Bleibt die Alveole aber leer (sog. „dry soccet“), kann es zu einer trockenen Knochenentzündung kommen (Ostitis sicca). In dem Fall wird der Zahnarzt die Wundheilung mit einem speziellen Medikament, das er in die Alveole hineingibt anregen, oder das Knochenfach erneut ausschaben, um so erneutes Einbluten zu provozieren.

Die Weisheitszähne sind gezogen und mit diesen Tipps steht einer guten Heilung nichts im Weg

Lösungen für Verbesserungen bitte statt PR-Rituale!

Die Berichts-Saison hat begonnen: Krankenkassen und Medizinische Dienste veröffentlichen regelmäßig Rankings und Reporte, die sich unter anderem mit der Behandlungsqualität in Arzt- und Zahnarztpraxen befassen. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) kritisiert diese Flut von Auswertungen. „Unter dem Deckmantel von Wissenschaftlichkeit und Patientensicherheit sind sie zu einem politischen Kampfinstrument der Kostenträger geworden“, sagte Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV.

„Über die nachweislich ausgezeichnete Versorgungsqualität in Deutschland sagen diese vermeintlich belastbaren Zahlenkolonnen wenig bis nichts aus. Vielmehr handelt es sich häufig um schlagzeilenträchtige PR-Rituale, die Patienten unnötig verunsichern, statt praktikable Lösungen für echte Verbesserungen aufzuzeigen. Angenommene Behandlungsfehler und angebliche Dunkelziffern lassen kaum seriöse Aussagen über die tatsächliche Versorgungsqualität zu.“

Insbesondere übt die Vertragszahnärzteschaft seit Jahren methodische Kritik an der irreführenden Präsentation der Daten in Form reiner Fallzahlen. „Die Ergebnisse werden offensichtlich aus Effekthascherei bewusst nicht in ein transparentes Verhältnis zum Behandlungsaufkommen im jeweiligen Leistungsbereich gesetzt. Immerhin zählt die Zahnärzteschaft mit bundesweit etwa 42.000 Praxen zu einer der am häufigsten konsultierten Facharztgruppen. Unser Behandlungsaufkommen ist folgerichtig enorm. Den 94 Millionen Fällen von allgemeinen, konservierenden und chirurgischen Behandlungen sowie 115 Millionen Behandlungen in allen zahnärztlichen Leistungsbereichen im Jahr 2018 stehen meist wenige vermutete und noch weniger belegte Behandlungsfehler gegenüber“, sagte Eßer.

Dagegen leiste das System zahnärztlicher Qualitätsförderung täglich konkrete Beiträge für eine flächendeckend gute Versorgungsqualität. „Die aktive Mitwirkung von Zahnärzteschaft und Praxispersonal ist dabei sehr ausgeprägt - das ist entscheidend! Qualitätsförderung und eine konsequente Fehlervermeidungskultur können nur in den Praxen nach dem Grundsatz Jeder Fehler ist einer zu viel erfolgreich gelebt werden. Trotz höchster Standards lassen sich Fehler nie völlig ausschließen. Statt aber auf noch mehr Bürokratie und Bevormundung setzen wir als Berufsstand auf Beteiligung und Verantwortung, um die Patientensicherheit kontinuierlich weiter zu verbessern“, betonte Eßer.

  • Zu den wichtigsten Instrumenten zählt dabei das Netz von Beratungsstellen bei KZVen und Kammern in den Ländern. Patienten erhalten dort kostenlos und fachlich kompetent Auskunft zu Behandlungen, Therapiealternativen, Kosten, Zweitmeinungsverfahren und Risiken bei bestimmten Eingriffen (www.patientenberatung-der-zahnaerzte.de).
  • Das Online-Berichts- und Lernsystem „CIRS dent - Jeder Zahn zählt!“ für Praxen ist ein weiterer Beitrag zu einem Mehr an Patientensicherheit (www.cirsdent-jzz.de).
  • Auch das kürzlich im Terminservice- und Versorgungsgesetz bestätigte, einvernehmliche Gutachterverfahren dient direkt den Patienten. Als bewährte Form der Überprüfung und Sicherung der Behandlungsqualität ist es bei Patienten, Zahnärzten und Kassen seit vielen Jahren anerkannt (www.kzbv.de).
  • Die Vertragszahnärzteschaft beteiligt sich zudem an der Entwicklung wissenschaftlicher Leitlinien und gewährleistet so eine Versorgung, die sich am aktuellen Stand zahnmedizinischer Forschung ausrichtet.
  • Zahnärztinnen und Zahnärzte bilden sich über den gesetzlich vorgegebenen Rahmen hinaus fort, erweitern fortlaufend ihre Behandlungskonzepte und sichern ihren Patienten so die Teilhabe am zahnmedizinischen Fortschritt.
  • Gesetze und Richtlinien beinhalten eine Vielzahl verpflichtender Maßnahmen der Qualitätssicherung.
  • Alle Umfragen und Erhebungen weisen für den Berufsstand regelmäßig Spitzenwerte aus: Vier von fünf Patienten würden ihren Zahnarzt weiterempfehlen. Die Gesamtzufriedenheit ist damit höher als bei Haus- und Fachärzten.

Die KZBV-Grafik „Das System der vertragszahnärztlichen Qualitätsförderung“ stellt die Vielzahl der Instrumente  zur Steigerung der Behandlungsqualität leicht verständlich dar.

Neue Zähne: hochfest – und sofort einsetzbar

Deutlich verbesserte Glaskeramiken

Die Ansprüche an einen Zahnersatz sind hoch: Er soll natürlich aussehen, versehentliche Bisse auf einen Kirschkern aushalten – und möglichst sollte der Patient im Zahnarztstuhl warten können, während der Zahnersatz individuell gefräst und eingesetzt wird. Dr. Bernhard Durschang und Dr. Jörn Probst vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC haben einen solchen Zahnersatz entwickelt und erhalten dafür den Fraunhofer-Preis »Technik für den Menschen«.

Der Zahn ist stark geschädigt und muss repariert werden. Zahnärzte greifen dabei auf unterschiedliche Materialien zurück, unter anderem auf Glaskeramiken. Denn diese wirken am natürlichsten, zudem kann der Arzt einen Glaskeramik-Zahnersatz direkt in der Praxis fertigstellen. Dafür erfasst er zunächst die Zahnsituation im Mundraum des Patienten über eine Stiftkamera, eine Software errechnet die individuellen CAD-Daten, ein Fräsgerät schneidet die Krone via CAM automatisch und passgenau zurecht. Anschließend wird der Rohling bei mindestens 800 Grad Celsius gehärtet – ein zeitaufwändiger Arbeitsschritt. Zudem verändert sich durch das Aufheizen die Farbe der Krone. Es kann also sein, dass die Brücke farblich nicht perfekt zu den restlichen Zähnen passt: Dann muss sie noch durch eine Verblendung angepasst werden.


Glaskeramiken galten als ausgereizt

Zahnärzte wie Patienten wünschen sich jedoch ein Produkt, das so schnell individuell anzupassen ist, dass der Patient im Zahnarztstuhl darauf warten kann – man spricht dabei auch von einer Chairside-Behandlung. Darüber hinaus soll der Zahnersatz eine möglichst hohe Festigkeit haben, um den Belastungen auch wirklich dauerhaft standhalten zu können. Bei bisherigen Glaskeramiken waren solche Verbesserungen nicht mehr möglich: Sie galten als ausgereizt.

Doch genau einen solchen Zahnersatz haben Dr. Bernhard Durschang und Dr. Jörn Probst vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg nun entwickelt, gemeinsam mit den Unternehmen VITA Zahnfabrik H. Rauter GmbH & Co. KG und Degu-Dent GmbH. Dafür wurden die beiden Fraunhofer-Forscher mit dem Fraunhofer-Preis »Technik für den Menschen« ausgezeichnet. »Unsere Glaskeramik ist mit mehr als 500 MPa deutlich fester und robuster als herkömmliche Glaskeramiken, die nur auf rund 350 MPa kommen«, sagt Probst, der seit 2002 für das Anwendungsgebiet Gesundheit am Fraunhofer ISC verantwortlich ist. »Zudem kann das Nachhärten im Ofen entfallen. Und: Die Glaskeramik weist in allen verschiedenen Farbnuancen mit ihrer zahnschmelzartigen Transluzenz eine hervorragende Optik auf. Der Zahnersatz kann optimal entsprechend der Zahnfarbe des Patienten ausgewählt werden und wirkt vollkommen natürlich.«


Querdenken führte zum Ziel

Aber wie haben die Forscher es geschafft, einem eigentlich ausgereizten Material so viele Verbesserungen zu entlocken? Glaskeramiken bestehen aus einer amorphen Glasphase und einem kristallinen Anteil. Bisher versuchten Forscher, den Anteil der kristallinen Phase möglichst weit nach oben zu treiben – schließlich sorgte diese für die Festigkeit. Die beiden Wissenschaftler des Fraunhofer ISC brachen jedoch mit dieser Lehrbuchmeinung. »Wir haben stattdessen an den Eigenschaften der Glasphase gedreht – und Erstaunliches erreicht«, erläutert Durschang, der seit 1996 am Fraunhofer ISC Gläser und Glaskeramiken entwickelt. »Mischt man dem amorphen Anteil verschiedene Metalloxide zu, steigt dessen Festigkeit. Somit wandelt sich der amorphe Anteil vom unliebsamen Restglas, das man loswerden will, zu einem nützlichen Anteil, der die Gesamtfestigkeit sogar noch steigert.«

Das Projekt reichte weit über die eigentliche Materialentwicklung hinaus. Die beiden Partnerfirmen erhielten alles aus einer Hand: von der ersten Lösungsidee bis zur CE-zertifizierten Produktionsanlage. Mittlerweile ist die neuartige Glaskeramik bereits bei vielen Zahnärzten im Einsatz. Der Jahresumsatz dieser Glaskeramiken bei den beiden Partnerfirmen liegt bereits im zweistelligen Millionenbereich – es werden für die kommenden Jahre jährliche Wachstumsraten von rund 20 Prozent erwartet.

Im Dosierungsdschungel – wie viel Fluorid aus welcher Quelle?

Kürzlich wurde die Verdopplung des Fluoridgehalts in Kinderzahnpasten beschlossen. Darüber hinaus gibt es diverse andere Fluoridquellen wie fluoridiertes Speisesalz, Fluoridlacke und -tabletten. Doch die genaue Anwendung bleibt vor allem bei Kindern zu undurchsichtig, was aktuell auch Öko-Test bei Kinderzahnpasten bemängelt. Die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) hilft Verbrauchern, sich im Dosierungsdschungel zurechtzufinden.

Bereits Ende 2018 haben sich die zahnärztlichen Fachgesellschaften auf neue Fluoridempfehlungen für Kleinkinder geeinigt. Die Hersteller von Kinderzahnpasten wurden aufgerufen, den Fluoridgehalt von 500 ppm auf 1.000 ppm (parts per million, sprich 0,1 Prozent) zu verdoppeln. Die Dosierung soll durch verkleinerte Tubenöffnungen und eine dickflüssigere Viskosität vereinfacht werden. Erste Produkte sind seit April im Handel verfügbar. Doch bedeutet der erhöhte Fluoridgehalt, dass Kinder auf andere Fluoridquellen verzichten sollten?

Welche Fluoridquellen gibt es?

Neben Zahnpasta stellt die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz eine günstige und effektive Möglichkeit zur Kariesprophylaxe dar. Fluorid ist darüber hinaus in Nahrungsmitteln wie Wasser, Tee oder Fisch und in Zahnpflegeprodukten wie Mundspüllösungen, Fluoridgelees sowie -lacken enthalten. Kinderärzte verschreiben zudem standardmäßig Fluoridtabletten – meist kombiniert mit Vitamin D. Zu viel Fluorid kann über einen längeren Zeitraum bei Kindern bis sechs Jahren eine Dentalfluorose auslösen, die sich in weißlichen Flecken auf den bleibenden Zähnen äußert. Doch vielen Verbrauchern ist unklar, wie viel Fluorid wirklich zu viel ist, und wie die verschiedenen Produkte angewendet werden müssen.

Welche Fluoridquellen darf ich miteinander kombinieren?

1.    Zahnpasta und Speisesalz

„Durchschnittlich deckt die Fluoridaufnahme über die Nahrung nur etwa 15 Prozent des für den Zahnschutz notwendigen Bedarfs ab. Um Karies vorzubeugen, ist es aber wichtig, ausreichend Fluoride zuzuführen. Denn diese stärken die Zähne in ihrer Widerstandsfähigkeit“, erklärt Professor Dr. Stefan Zimmer, Sprecher der Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) und Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke. „Mit dem Einstieg in die Familienkost, also etwa ab dem ersten Geburtstag, sollten Kinder daher ebenso von fluoridiertem Speisesalz profitieren wie die Eltern. Das gilt auch, wenn bereits eine fluoridierte Zahnpasta verwendet wird.“ Eine Überdosierung ist nicht möglich: Werden die Zähne zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta (1.000 ppm) geputzt, kommen Kinder je nach Salzkonsum auf eine Tagesmenge von maximal 0,6 mg Fluorid, wenn vollständiges Verschlucken der Zahnpasta angenommen wird. Zum Vergleich: Bei einem sechsjährigen Kind liegt die empfohlene tägliche Aufnahmemenge zwischen etwa 1,0 und 1,5 mg Fluorid. Eine akute Fluoridintoxikation – erst ab 5 mg/kg Körpergewicht – ist vor allem durch Salz unrealistisch: „Die niedrigste akut toxische Fluoriddosis würde für ein Kleinkind mit 15 Kilogramm Körpergewicht theoretisch erst mit 240 Gramm fluoridiertem Speisesalz erreicht, die akut toxische Dosis für normales Speisesalz (NaCl) liegt aber schon bei Erwachsenen bei circa 200 Gramm“, erläutert Zimmer.

2.    Fluoridlack

Zahnpasta und Speisesalz bilden also die Basis für eine gute Kariesprophylaxe. „Zusätzlich kann der Zahnarzt den Zahnschmelz mit Fluoridlack härten. Das ist unbedenklich und hochwirksam“, so Zimmer. Deshalb hat der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) Ende Januar beschlossen, Fluoridlack bereits für Kinder zwischen dem 6. und 33. Lebensmonat viermal jährlich zu erstatten. Für die Anwendung zu Hause sind Fluoridgelees sowie fluoridierte Mundspüllösungen erhältlich. Diese dürfen aber erst ab dem sechsten Lebensjahr in Absprache mit dem Zahnarzt zum Einsatz kommen.

3.    Fluoridtabletten

Viele Kinder erhalten ab dem 6. Lebensmonat Fluoridtabletten vom Kinderarzt. Ob fluoridierte Zahnpasta eine sinnvolle Ergänzung ist, hängt von der Dosierung der Tabletten ab und kann beim Arzt erfragt werden. Generell können sich Eltern an der Maximaldosis für Kinder unter sechs Jahren orientieren, die bei einer Fluorid-Gesamtaufnahme von 0,05 bis 0,07 mg F/kg Körpergewicht pro Tag liegt. „Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem das Kind mit der Familienverpflegung fluoridiertes Speisesalz erhält, sollten keine Fluoridtabletten mehr gegeben werden“, warnt Zimmer.

Was, wenn ich meinem Kind keine fluoridierte Zahnpasta geben möchte?

Öko-Test hat in der März-Ausgabe fluoridierte und fluoridfreie Kinderzahnpasten geprüft. Dabei bemängelte die Redaktion allgemein die Deklaration und die Dosierungsempfehlung nach Altersstufen auf den Tuben. Bei fluoridierten Produkten forderten die Tester einen Hinweis, zusätzliches Fluorid nur auf ärztlichen Rat zu verabreichen. Auf fluoridfreien Zahnpasten müsse hingegen der Hinweis zu finden sein, dass Fluorid in diesem Fall anderweitig zugeführt werden muss. Fluoridtabletten können dann den Bedarf ausgleichen. „Eltern sollten bei der Anwendung aber darauf achten, dass die Tabletten wirklich gelutscht werden. Nur so entfalten sie ihre kariespräventive Wirkung“, rät Zimmer.

Neue zahnärztliche Fluoridempfehlungen für die häusliche Prophylaxe im Überblick

  • Ab Durchbruch des ersten Zahnes: Eltern putzen die Milchzähne zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge ‚neuer‘ Kinderzahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 1.000 ppm oder einer erbsengroßen Menge mit 500 ppm.
  • Vom zweiten bis sechsten Geburtstag: Ab jetzt wird eine erbsengroße Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid verwendet – zweimal täglich.
  • Mit Beginn der Teilnahme des Kindes an der Familienverpflegung: Ab ca. einem Jahr empfehlen die Experten zusätzlich fluoridiertes Speisesalz.
  • Wenn das Kind sechs Jahre alt ist: Nun können Junior- oder Erwachsenenzahncremes, die sich nur durch ihren Geschmack unterscheiden, mit einem Fluoridgehalt von bis zu 1.450 ppm zum Einsatz kommen.

Ausblick: IfK Markt-Check

Die Informationsstelle für Kariesprophylaxe hat sich auf der Internationalen Dentalschau (IDS) in Köln Mitte März schlau gemacht und Hersteller von Kinderzahnpasten nach dem Stand der Umsetzung befragt. Der erste Hersteller hat im April eine neue Formulierung mit 1.000 ppm und verkleinerter Tubenöffnung auf den Markt gebracht. Drei weitere Unternehmen ziehen im Mai beziehungsweise im Sommer nach. Abzuwarten bleibt allerdings, ob eine für den Verbraucher nachzuvollziehende Dosierungsempfehlung und Deklaration auf den Tuben zu finden sein wird.

Noch Fragen offen?

Verbraucher, die sich bei der Anwendung von fluoridierten Produkten unsicher sind, können sich telefonisch unter 069/2470-6822 oder via E-Mail daz@kariesvorbeugung.de an die Informationsstelle für Kariesprophylaxe wenden. Ab Mitte Mai sind Informationsmaterialien mit den neuen Empfehlungen verfügbar.



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Endodontie oder auch Endodontologie ist die Teilwissenschaft der Zahnheilkunde, welche sich mit der Prävention, Diagnose und Therapie der Erkrankungen des Zahnmarkes beschäftigt. Die häufigste Therapieform der Endodontie ist die Wurzelkanalbehandlung. Falls der Zahnschmelz beschädigt wird, z.B. durch Karies oder einen Unfall, kann dies eine bakterielle Entzündung des innenliegenden Zahnnervs nach sich ziehen. Durch die Wurzelkanalbehandlung werden die Gewebereste des infizierten Nervs sowie die aktiven Keime aus dem Wurzelkanalsystem entfernt. Anschließend wird der betroffene Zahn versiegelt, um einen erneuten Befall zu verhindern. Die Endodontie gibt es schon sehr lange und hat sich in der Zahnheilkunde fest etabliert.





GTR heißt übersetzt "gesteuerte Geweberegeneration". Diese findet hauptsächlich in der Zahnmedizin Verwendung. GTR bewirkt die Neubildung von Zellen in der Umgebung der Zahnwurzel und stellt eine elastische Zahn-Kiefer-Verbindung wieder her.




Lehre vom Einpflanzen körperfremder Materialien zum Ersatz verloren gegangener Organfunktionen mit dem Ziel der gewebeverträglichen Einheilung.




Die Parodontologie ist die Lehre vom Zahnhalteapparat bzw. von den Zahnbetterkrankungen. Der Begriff der Parodontologie leitet sich her von "parodontal" = den Zahnhalteapparat (Parodontium) betreffend und "logie" = Lehre. Die Parodontologie beschäftigt sich sowohl mit den Erkrankungen des Zahnhalteapparates als auch oder vor allem der Prävention solcher Erkrankungen. Die am häufigsten auftretende Erkrankung des Zahnhalteapparates ist die Parodontitis, eine durch Bakterien des Zahnbelags ausgelöste Entzündung. Eine Früherkennung solcher Erkrankungen im Rahmen der Parodontologie ist äußerst wichtig, da Parodontitis ab dem 40. Lebensjahr der häufigste Grund für Zahnverluste ist. Die Parodontologie kennt Therapien, die den Krankheitsverlauf abbremsen und damit Zähne erhalten können.




Zähne werden durch chemische Prozesse mit zunehmendem Alter dunkler. Mit Hilfe geeigneter Chemikalien (meist starke Oxidationsmittel) kann dieser Prozess umgekehrt werden. Die Behandlung sollte unter zahnärztlicher Aufsicht durchgeführt werden. Bleichmittel für den Hausgebrauch sind mit äußerster Skepsis zu betrachten: bei falscher Anwendung kann mehr Schaden als Nutzen entstehen!




Verblendschalen aus Keramik für die sichtbaren Zahnflächen in vorderen Bereich. Sie werden mit moderner Klebetechnik, die man auch als Adhäsionstechnik bezeichnet, an der Zahnhartsubstanz befestigt, nachdem diese gereinigt und nur minimal abgeschliffen wurden. Veneers können in einigen Bereichen die Anfertigung einer Krone ersetzen und werden aufgrund der positiven Langzeitresultate als wissenschaftlich anerkannte Therapieform bezeichnet.




Allgemeinanästhesie: Funktionshemmung des zentralen Nervensystems durch Medikamente, um für operative Eingriffe eine Bewusst- und Schmerzlosigkeit herbeizuführen.



Röntgen ist das Durchstrahlen eines Körpers mit Röntgenstrahlen und die Aufzeichnung der entstandenen bildlichen Darstellung auf einem Bildschirm oder geeignetem Filmmaterial. Hauptsächlich werden hierbei Knochen durchleuchtet, mit neuen Geräten auch Organe. Das zu röntgende Gewebe wird zwischen Röntgenröhre und Röntgenfilm platziert, wobei die Strahlen, die von der Röhre ausgesendet werden, den Film - je nach Dichte des durchstrahlten Gewebes - unterschiedlich stark schwärzen. Daraus ergibt sich ein Röntgenbild, das auch auf einem Fernsehmonitor dargestellt werden kann. Die Einheit für Röntgendosis heißt Gray.




Behandlung eines komplett zahnlosen Patienten mit so genannten Totalprothesen.